e-Government: “Zukunft kann man am besten vorhersagen, wenn man sie mitgestaltet…”

Dirk Arendt

Dirk Arendt

Weise Worte – und auch richtige Worte.

Die Frage bleibt allerdings, warum wenden wir sie nicht an? Warum gestalten wir zum Beispiel unsere deutsche Verwaltung nicht mit? Warum verändern wir sie nicht aktiv im Sinne einer besseren Zukunftsfähigkeit?

Ein Beispiel gefällig? Bitteschön: Angeregt durch die Pressemitteilungen der letzten Wochen habe ich auch (m)einen Antrag auf Erstattung der Rückmeldegebühren gestellt. Diese Gebühren an den Berliner Hochschulen sind für verfassungswidrig erklärt worden, so dass für jeden Studenten für einen bestimmten Zeitraum ein solcher Anspruch auf Rückerstattung besteht. Das Formular dazu war schnell gefunden, doch was dann kam, sprengte wieder einmal meine Vorstellungskraft:

Bitte den Antrag am PC ausfüllen, ausdrucken, eigenhändig unterschreiben und per Post an die Studierendenverwaltung der Freien Universität Berlin schicken.“

Wie sagte doch so schön der @bildesheim:

Ein schönes Beispiel für die friedliche Koexistenz von digitaler und analoger Welt.

Ein anderes Zitat besagte: „Tja, wie zu Humboldts Zeiten…„. Ja, und dem ist – LEIDER – nichts hinzuzufügen…

Aber die Frage bleibt: Wer sorgt dafür, dass ich ein am Rechner online ausgefülltes Formular auch digital weitergeben kann? Wer sorgt endlich dafür, dass es dann auch entsprechend digital weiterverarbeitet werden kann?

Der Bürger kann es sicherlich nicht richten. Er hat zu selten Kontakt mit der Verwaltung. Aber fehlt es vielleicht an Forderungen aus der Wirtschaft bzgl. der Leistungsfähigkeit, der Erneuerung und Zukunftsfähigkeit unserer Verwaltung? Fehlt es am Druck aus der Wirtschaft? Gab es schon einmal eine Aufzählung von Forderungen der Industrie an die Verwaltung? Ich kann mich nicht erinnern.

Oder sind wir einfach alle zufrieden? Zufrieden mit dem, wie es abläuft, wie es schon immer abgelaufen ist? Wie wir uns für die Zukunft aufstellen? Oder ist es nur eine Selbstzufriedenheit, weil es uns eigentlich – und im Vergleich zu vielen anderen Staaten – gut geht. Vielleicht angesichts des weiteren Wettbewerbs um Fachkräfte, um den Standort, um unsere Zukunft zu gut…?

Fragen wir doch einfach die jungen Menschen, wie sie sich Verwaltung vorstellen. Nicht einfach so aus heiterem Himmel und jeden. Aber nehmen wir anfangs die, die jetzt von der – politischen – Startup-Welle erfasst werden, die unser Kapital der Zukunft sind. Diese Gruppe von Menschen, die mit dem Internet und seinen Möglichkeiten zur Interaktion groß geworden sind, die jetzt Unternehmen gründen. Diese Jungunternehmer werden in verschiedensten Formularen immer noch mit der Frage nach einer „Festnetznummer“ oder gar einem „Stempel“ konfrontiert. Können wir uns das auch zukünftig noch leisten? Ich denke nicht…!

Ja, die Frage bleibt: Wer macht Druck? Wer fängt an, die Zukunft zu gestalten…?

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5 Gedanken zu „e-Government: “Zukunft kann man am besten vorhersagen, wenn man sie mitgestaltet…”

  1. In der Europe 2020 Strategie haben sich die Europäischen Mitgliedstaaten darauf geeinigt, die Rahmenbedingungen für Start-Ups zu verbessern. Deswegen soll sich die benötigte Zeit bis 2012 auf 3 Tage und die Kosten auf 100 € beschränken. Deutschland liegt aktuell bei 5 Tagen und ca. 220 € (Wobei hier vermutlich Personentage und nicht Zeittage gemeint sind). Damit liegen wir zwar über dem europäischen Durchschnitt, aber nur im europäischen Mittelfeld (Quelle: http://ec.europa.eu/europe2020/pdf/themes/26_public_administration.pdf). Und wenn man sich die Digitale Agenda anschaut, dann wird da unter anderem bemessen, wieviel Prozent der Bevölkerung eGovernment nutzen und Formulare online zurücksenden – die zahl ist sehr gering, wie man hier sieht: http://ec.europa.eu/digital-agenda/sites/digital-agenda/files/germany.jpg

    • Wenn ein Start-Up an 5 Tagen und 200 € (+ 20 € für einen Stempel!-) scheitert, dann stimmt nicht nur mit der Verwaltung etwas nicht. Ich habe gestern in einem Vortrag gehört, dass man sich mit weiteren rd. 200,- € und wenigen Stunden Zeit (für’s Anmelden der Dienste) seine ganze Büroausstattung zusammen klicken kann. Sicher wäre es schön, wenn alle Verwaltungsvorgänge sich ebenfalls so schnell zusammen klicken ließen, aber dass das nicht geht, kann kein echtes Hindernis sein.

  2. Die EU-DLR hat schon 2008 die „problemlose elektronische Abwicklung aus der Ferne“ zum gesetzlich festgeschriebenen Standard für bestimmte Verwaltungsakte erklärt. „Gesetz“ sollte ja wohl verbindlicher sein als „Forderung“. Funktioniert aber weitgehend heute noch nicht. Meine Prognose ist, dass die Verwaltung sich mit der Gesellschaft ändert, aber sehr langsam. Egal, ob mit oder ohne Forderungen.

    • Meinst du, das sich vielleicht durch das eGovGesetz etwas ändern könnte? Oder brauchen wir Anreize dazu…? Ein Anriez könnte zB in weniger Gebühren bei Nutzen des digitalen Verfahrens gesehen werden. Ja, aber du hast recht, von den Ansätzen, den Phantasien der EU-DLR ist wenig übrig geblieben…

  3. Ich schließe mich der Auffassung an, dass es eine grundlegende, gesellschaftliche Herausforderung ist, die elektronischen Möglichkeiten in der Verwaltung effizient nutzbar zu machen. Leider führen „Forderungen“ auch zu Aktionismus. Hätte man nicht vor Jahren schon sagen müssen: „Vergesst Formularserver! Baut gleich das Verwaltungsverfahren so um, dass es voll elektronisch abgewickelt werden kann. Alles andere hat auf Dauer keinen Sinn.“ Aber stattdessen wurden Formularserver noch und noch gebaut – und man hat sich auf den Erfolgen ausgeruht.
    Es lassen sich so einfach so viele Gründe finden, warum man nicht weitergeht…

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