e-Government: Wenn Kritik weit über das Ziel hinausschießt…

Dirk Arendt Baustelle

Dirk Arendt Baustelle in Berlin

Und noch ein Podcast. Diesmal aber einer, der mir gar nicht gefällt. Nein, er ärgert mich. Sehr sogar. Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht habe ich auch einfach nur den hintersinnigen Humor nicht verstanden.

Aber der Reihe nach: Der Beitrag trägt den schönen Titel „Neuland„, entstammt dem Digitalen Logbuch des Deutschlandfunk und wartet mit einer harschen Kritik am Neuen Personalausweis, seinem biometrischen Foto, der Demail und insbesondere dem eID-Wettbewerb der Bundesdruckerei auf. Und der Kommentator spart nicht mit seiner Kritik. Kritik ist grundsätzlich etwas gutes. Kritik kann helfen. Kritik kann aufrütteln. Kritik sollte aber immer auch konstruktiv sein. Kritik kann sarkastisch oder auch lustig sein – diese hier ist aber einfach nur schlecht. Nein, es ist gar keine Kritik. Es ist ein Verbalfeuerwerk auf niedrigstem inahaltlichen Niveau. Und wie gesagt, vielleicht soll es lustig sein und ich verstehe nur die Pointe nicht. Im Beitrag wird der Personalausweis auf sein biometrisches Foto reduziert, welches der Kommentator so schön als den „zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck“ bezeichnet. Ein erster Fehler.

„Wie riesig muss die Verzweiflung der Macher sein, schon zum zweiten Mal 10.000 Euro zu spendieren, für endlich mal eine Idee, das hässliche Perso-Kärtchen sinnvoll einzusetzen? Warum ihre Vorfahren nicht selbst die Idee hatten, alles auf eine Karte zu setzen, diagnostizieren Archäologen in 500 Jahren wahrscheinlich mit, „durch zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck ausgelöster Depression“.“

Ästhetik ist immer auch persönliche Geschmackssache und das „hässliche Perso-Kärtchen“ muss nicht jedem gefallen – zumal staatliche Aufgabenstellungen keinen Designpreis gewinnen sollen. Aber dafür ist es klein und praktisch zu handhaben. Und wie verzweifelt die „Macher“ sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

Trotzdem ist ein solches Engagement in Form eines Wettbewerbes ausdrücklich zu loben. Im Rahmen der Einführung des Personalausweises ist nicht alles glatt gelaufen. Keine Frage. Und natürlich hat auch die Bundesdruckerei ein berechtigtes Interesse an dem Personalausweis. Und trotzdem hilft ein solcher Wettbewerb der Anerkennung des innovativen Infrastrukturprojektes weiter.

Professionelle Kommunikation rund um staatliche Themen findet in Deutschland kaum statt. Fehlt zu oft. Der Bürger als Nutzer weiß oftmals nicht, was der Markt an Möglichkeiten hergibt. Diese fehlende Kommunikation wurde hier im Blog bereits des öfteren angesprochen. Jetzt hat es auch Franz-Reinhard Habbel – ein Mahner des deutschen eGovernment – bemängelt. Ja, wir müssen mehr darüber reden und schreiben. Über unsere Projekte – im guten wie im schlechten Sinne. Und dass die fehlende Kommunikation gerade bei so einem wichtigen Thema wie „meiner digitalen Identität im Internet“ zu einem Erfolgskiller werden konnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Und es wäre so leicht. Und mit jedem Nutzer, der konstruktiv seine Stimme zu Problemen der Handhabung der Software, ihrer Usability oder dergleichen erhebt, können auch Veränderungen in die Diskussion um zukünftige Aufgabenstellungen eingebracht werden.

Der o.g. Podcast enthält aber auch Sätze, die leider zeigen, dass sich der Autor nur sehr oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. „Alles auf eine Karte“, das ist mit Sicherheit eine Forderung, die von den Nutzern schon seit mindestens 10 Jahren abgelehnt wird. Und es wäre auch unpraktisch – und gefährlich, seien wir doch ehrlich. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur den Humor nicht verstanden…

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Ein Gedanke zu „e-Government: Wenn Kritik weit über das Ziel hinausschießt…

  1. Pingback: eIDEE – Wettbewerb für den digitalen Handschlag | herr arendt

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