e-Government – Personalsituation in der Berliner Verwaltung IV

Dirk Arendt: Das Thema „Personalsituation in der Berliner Verwaltung“ bleibt uns als Thema erhalten. Heute titelt der TAGESSPIEGEL mit einem dem Artikel „Nichts geht mehr – Grüne Stadträte rügen Personalnot in Bezirken“ mit zum Teil dramatischen Zahlen:

„Vor sechs Jahren hatte das Sozialamt im City-Bezirk etwa 158 000 Fälle zu bearbeiten, von der Pflegehilfe über die Grundsicherung im Alter bis zu Asylbewerberleistungen. Im laufenden Jahr sind es schon 221 000 Fälle. Im Jahr 2016 werden es voraussichtlich 252 000 Einzelfälle sein. Um dies zu bewältigen, bräuchte das Amt 18 Vollzeitstellen mehr, aber die gibt es nicht.“

Und der Verfasser des Artikels sieht auch noch kein Ende des Problems:

„Die Haltung des Senats zur Personalnot in den Bezirken, die übrigens nicht nur von den Grünen beklagt wird, ist klar: Bis 2016 soll es in der Hauptverwaltung nur noch 80 000 und in den Bezirken 20 000 Vollzeitstellen geben. Es sollen bis dahin also noch Stellen gestrichen werden, um das Soll zu erfüllen. In zähen Verhandlungen mit den Bezirken wurden die Sparvorgaben im vergangenen Jahr ausgehandelt. Der letzte Bezirk, der seinen Widerstand aufgab, war Treptow-Köpenick.“

Update: Auch die BZ hat das Thema in einem Artikel aufgenommen.

 

 

Nur mal so: Danke für die vielen Glückwünsche

Dirk Arendt

Dirk Arendt

 

Habe mich sehr über all die Glückwünsche gefreut. Und deswegen gibt’s auch was zurück: Diesen wunderschönen Regenbogen, den wir aus Lappland vom Fjällraven Classic im letzten Jahr mitgebracht haben. Zelt morgens auf, schwupp da steht er in ganzer Pracht und Herrlichkeit. Und wenn du so den Tag beginnst, dann kannste ihn einfach nur genießen – das Leben kann so schon sein… 😉

Medienkompetenz: „Eine Sekunde im Internet“

Großartige und irgendwie auch beeindruckende Animation – einfach mal durchhangeln, staunen und genießen: „Eine Sekunde im Internet

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Und die ganze Animation endet mit (aber bitte erst selbst durchspielen):

10 years ago Skype, Facebook, YouTube, Reddit, Twitter, Tumblr, Dropbox, and Instagram didn’t exist.

 

20 years ago there were only 130 websites total, Google wasn’t even around yet, and you had to pay for an email account through an ISP.

 

30 years ago there was no internet.

 

Vielen Dank an die Verfasser dieser tollen Visualisierung, die bestimmt mehr hilft als tausend Worte in einem Vortrag!

#veggiday vs #prism: Wer erklärt mir die Welt?

 

Nur mal so am Rande: Es ist schon irgendwie bezeichnend, dass diese „veggieday“-Diskussion – so sinnvoll sie auch sein mag –  zur Zeit mehr Aufmerksamkeit genießt als unsere Totalüberwachung via #prism, #xkeyscore und anderen fiesen Instrumenten – und das so kurz vor der Bundestagswahl…

Ich verstehe es nicht. Wer erklärt mir die Welt?

“Was sagen eigentlich die Parteien in Österreich zu… Medienkompetenz?” – Gastbeitrag von Stefan Kühne

 

Durch den gestrigen Gastbeitrag „inspiriert“ heute der Blick in Sachen „Medienkompetenz“ auf den Nachbarn Österreich von Stefan Kühne:

 

 

Nicht nur Deutschland wählt ein neues Parlament, auch im Nachbarland Österreich wird Ende September ein neuer Nationalrat gewählt. Grund genug also auch Mal bei den österreichischen Parteien nachzuschauen, ob sich das Thema „Medienkompetenz“ in den Wahlprogrammen findet. Neben den im Nationalrat vertretenen Parteien habe ich dazu auch die Programme von „NEOS“ und den „Piraten“ untersucht, die beide bei der Wahl antreten werden.

Das Ergebnis allerdings ist ernüchternd: Am ausführlichsten haben die Grünen ihre Position zur Medienkompetenz(-stärkung) erklärt, gefolgt von der SPÖ – bei den anderen Parteien weitestgehend Fehlanzeige. Oftmals wird noch nicht Mal auf das Internet oder die „digitale Gesellschaft“ bezug genommen. Hier gibt es also noch viel zu tun!

 

„Wir wollen die Medienkompetenz in unserer Gesellschaft unter anderem durch entsprechende Bildungsangebote fördern. Auf dieser Basis muß es auch zur Neudefinition der Verantwortung zwischen Medienproduzentinnen und -produzenten einerseits und -konsumentinnen und -konsumenten andererseits kommen. Es müssen in manchen Bereichen neue Formen der Selbstbeschränkung wirksam werden, es ist aber auch durch öffentliche Kontrolle – unter Einbeziehung relevanter Vertretungen der Konsumentinnen und Konsumenten – sicherzustellen, daß z.B. die Verherrlichung und Verniedlichung von Gewalt, die Diskriminierung von gesellschaftlichen Gruppen und die Ausbeutung von Schutzbedürftigen in allen Medienprogramminhalten wirksam unterbunden werden können. Klare Regeln müssen hinsichtlich der Informationsaufgabe und Ausgewogenheit sowie des Schutzes der Persönlichkeitssphäre von Bürgerinnen und Bürgern gelten.“ (S. 26 von 30)

http://spoe.at/iii10-politische-perspektiven

 

  • ÖVP (Österreichische Volkspartei)

Der Begriff „Medienkompetenz“ taucht nicht in den Programmen und auch nicht auf der Homepage der ÖVP auf. Im (gültigen) Grundsatzprogramm von 1995 finden sich auf den Seiten 58/59 Aussagen zu „Neue Medien und Telekommunikation“, darunter:

„Die Vernetzung von Datenbanken aus verschiedenen Lebensbereichen birgt Gefahren für die Freiheit des Einzelnen. Wir wollen die Privatsphäre des Einzelnen schützen und den „gläsernen Menschen“ verhindern. Wir sehen daher einen Auftrag der Politik, mit rechtlichen Mitteln dort einzugreifen, wo die Eigenverantwortung zum Schutz des Einzelnen nicht ausreicht.“

Seit 2013 gibt es einen Arbeitskreis „Netzpolitik“:

 

  • Grüne

Positionspapier „Selbstbestimmt in der virtuellen Realität“:

„Medienbildung an Schulen“

„Wir Grüne fordern daher, in Schulen Workshops und Module zum Thema Medienkompetenz und Medienbildung zu verankern. In Workshops sollen Kompetenzen erarbeitet und gestärkt werden. Dies soll kooperativ erfolgen, gemeinsam mit den LehrerInnen und Eltern. Auch können ExpertInnen hier eingebunden werden.

Das Internet verändert sich rapide, die Workshops sollen auf die rasanten Entwicklungen Bezug nehmen können. Eine solche Verankerung wäre notwendig, denn zurzeit hängt Medienbildung nur von engagierten LehrerInnen ab.

Es gibt verschiedene Initiativen und Organisationen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, diese müssen unbedingt eingebunden werden. Denn Medienkompetenz bedeutet mehr als bloß Regeln für den respektvollen Umgang auf Facebook zu erstellen.“

„Selbstbestimmte Medienkompetenz“

„Die Selbstbestimmung junger Menschen muss erklärtes Ziel sein. Die Sicherheits- und Einschränkungsbestimmungen im Internet dürfen aber nicht zu weit gehen, es braucht einen guten Weg zwischen Freiheit und Sicherheit. Restriktive Kontrollen und Überwachung, so wie es ACTA vorsieht, gefährden den chancenreichen Umgang mit dem Internet.Wir Grüne treten auf europäischer und nationaler Ebene klar gegen das Anti-Piraterie-Abkommen auf, das massive staatliche Maßnahmen in Richtung Überwachungsstaat zur Folge hätte.“

Teilprogramm zur Medienpolitik, darin enthalten ein „Eckpunkte der Grünen zur Informationspolitik“.

 

Hier ist unter dem Stichwort „Medienkompetenz“ nichts zu finden.

Den „Tatort Internet“ gibt es immerhin im „Handbuch freiheitlicher Politik“ (S. 241) und auch sonst taucht das „Internet“ ein paar Mal auf – zum Teil mit durchaus lustigen Formulierungen: „Ziel muss es sein, jedes Bett via Internet buchen zu können.“ (S. 203) 🙂

 

  • BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich)

Auch im Parteiprogramm des BZÖ ist nichts zu finden, hier kommt auch der Begriff „Internet“ nicht vor.

 

  • Team Stronach

Auch hier im Parteiprogramm nichts, die hätten dafür gerne ein Schulfach „Ernährungslehre“.

 

Bei der Nationalratswahl 2013 werden weitere Parteien antreten, darunter:

  • NEOS

Der Begriff „Medienkompetenz“ taucht im Programm nicht auf. Im Bereich der Schule sollen LehrerInnen zumindest mit „Online-Systemen“ in der Unterrichtsvorbereitung arbeiten, ob damit Google, Wikipedia oder Anderes gemeint ist, wird nicht ausgeführt (S. 17 von 77 im Parteiprogramm):

„Kontinuierliche Weiterbildung der Lehrer_innen (primär in schulfreien Zeiten) und Unterstützung durch Expert_innen und Coaches sowie Online-Systeme für die Unterrichtsvorbereitung“

 

  • Die Piraten

Der Begriff „Medienkompetenz“ taucht auch hier nicht auf.

 

Zusammengestellt von Stefan Kühne

Homepage Stefan Kühne: www.stefankuehne.net

Bei Facebook: Stefan Kühne

 

Von meiner Seite bleibt mir nur „Vielen Dank“ an Stefan zu sagen – und vielleicht findet sich ja jemand, der mal die Schweizer Parteien unter die Lupe nimmt.

„Was sagen eigentlich die Parteien zu… Medienkompetenz?“ – Gastbeitrag von Lena-Sophie Müller

Die Medienkompetenz eines jeden Einzelnen wird in unserer wachsenden digitalen Gesellschaft ein immer wichtigeres Thema, das hier auch schon auf verschiedenste Art und Weise angesprochen wurde.

 

Im Vorfeld zur Bundestagswahl 2013 hier nun ein Gastbeitrag von Lena-Sophie Müller „Was sagen eigentlich die Parteien zu… Medienkompetenz?„:

In der Facebook-Gruppe „Medienkompetenz in Sozialen Netzwerken“ tauschen sich verschiedene Menschen, alt und jung, erfahren und unerfahren, Profis und Laien, zu Themen rund um das Thema „Internet, Soziale Netzwerke und Medienkompetenz“ aus. Da die Bundestagswahl näher rückt, fragte ich mich: Was sagen eigentlich die Parteien dazu?

Zusammen mit Marc Gross habe ich die verschiedenen Parteiprogramme durchsucht. Hier das Ergebnis unserer ersten Durchsicht. Vor den Zitaten ist immer der Kontext (Überschrift > Unterüberschrift) angegeben.

Deutschlands lebenswerte Heimat schützen > Kultur und Medien – Kreativität und Vielfalt schützen

„Freie und starke Medien sind ein zentrales Element unserer freiheitlichen Ordnung. Ihre Vielfalt wollen wir durch geeignete Rahmenbedingungen auch in Zukunft unterstützen. Dazu gehören Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der Medien genauso wie Angebote zur Stärkung der Medienkompetenz, die auch künftig zu einem aufgeklärten Umgang mit den Medien beitragen.“ (S. 102 von 128)

„Medienkompetenz und Jugendmedienschutz – Aufgrund der rasanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im gesamten Medienbereich ist es erforderlich, dass alle Generationen kompetent mit den gängigen Medien umgehen können. Kinder sollten bereits in der Schule fächerübergreifend Medienkompetenz erlernen. Initiativen wie das „Netz für Kinder“ ermöglichen Kindern einen sachkundigen Umgang mit dem Netz. Das allein reicht jedoch nicht: Kinder und Jugendliche brauchen ausreichend Schutz vor den möglichen Auswüchsen der modernen Medienwelt. Sie müssen im Internet vor entwicklungsbeeinträchtigenden und gefährdenden Angeboten unter anderem durch den Einsatz geeigneter Jugendschutzsoftware geschützt werden. Der Jugendschutzmedien-Staatsvertrag muss neuen Problemfeldern angepasst werden.“ (S. 107 von 128)

Teilhabe für Jung und alt > Chancen für Kinder

„Die Struktur des Internets bietet – anders als nichtinteraktive Medien – nur sehr wenige Möglichkeiten, Inhalte für Kinder und Erwachsene zeitlich, räumlich oder durch Zugangsbeschränkungen zu trennen. Wo bei den klassischen Medien durch Sender oder Verlage ein speziell auf Kinder ausgerichtetes Programm zusammengestellt wird oder ein gewisser Schutz von Kindern beim Einlass an der Kinokasse, durch Verkaufskontrolle von Filmen und Computerspielen oder im Fernsehen durch den Zeitpunkt der Sendung geboten werden konnte, ist dies durch die Struktur und Grenzenlosigkeit des Internets kaum möglich. Deshalb sind funktionierende Filterprogramme, die freiwillig von Eltern auf dem heimischen Rechner installiert werden, ein mögliches Instrument, um selbst das Risiko für ihre Kinder minimieren zu können, dass diese beim Surfen unbeabsichtigt auf bedenkliche Inhalte stoßen. Verpflichtende Filter, vom Softwarehersteller voreingestellte oder providerseitige Filtertechniken lehnen wir hingegen ab. Darüber hinaus ist für den Umgang mit Inhalten im Netz der Erwerb von Medienkompetenz (nicht nur) für Kinder von zentraler Bedeutung.“ (S. 142 von 337)

Freies Netz und unabhängige Medien für alle

„Teilhabe in der digitalen Gesellschaft setzt selbstbestimmtes Handeln voraus. Die Notwendigkeit, Medienkompetenz zu erlernen, ist für Menschen aller Generationen gleichermaßen aktuell – für Kinder genauso wie für SeniorInnen.“ (S. 189 von 337)

„Im Bereich des Kinder- und Jugendmedienschutzes haben wir uns stets für Regelungen ausgesprochen, die auch in technischer Hinsicht der Netzrealität angemessen sind, die Freiheit des Internets schützen und Kinder in den Mittelpunkt des Schutzinteresses stellen. Die im Jahr 2010 gescheiterte Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags ist diesen Kriterien nicht gerecht geworden. Technische Mittel können immer nur Ergänzung, nicht aber Alternative zur Förderung von Medienkompetenz sein, verpflichtende Filter lehnen wir zudem ab.(S. 194 von 337)

„Prävention ist die wichtigste Maßnahme. Wir wollen die Selbstbestimmung durch die lebenslang begleitende Vermittlung von Medienkompetenz fördern. Es geht darum, Kompetenzen zu vermitteln, wie man seine eigenen Daten schützt, Inhalte einordnet, welche Rechte und Pflichten man besitzt oder auch wie man sich bspw. gegen Falschbehauptungen wehren kann. Wir werden uns deshalb dafür einsetzen, dass Medienkompetenzvermittlung in der ErzieherInnen-, BetreuerInnen- und LehrerInnenausbildung bundesweit als eigener Gegenstandsbereich etabliert wird.“ (S. 194 von 337)

Demokratische Teilhabe: für eine Demokratie, in der es etwas zu entscheiden gibt > Demokratisierung der Medien: Information und Selbstbestimmung

„Wir wollen Medienkompetenz und Medienbildung umfassend stärken: in der vorschulischen Bildung, in Schule und Unterricht, in zivilgesellschaftlichen Projekten und in der Arbeitswelt.“ (S. 83 von 100)

Vielfalt, damit jeder eine Wahl hat > Kultur und Medien als Spiegel der Vielfalt – Kultur von allen, Kultur für alle

„Kulturelle Bildung definiert die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Sie ist Aufgabe sowohl unserer Bildungs- als auch unserer Kultureinrichtungen. Eine Kulturnation wie Deutschland soll alle Menschen gezielt mit kulturellen Angeboten vertraut machen. Hierzu zählt insbesondere auch die Vermittlung von Medienkompetenz.“ (S. 49-50 von 104)

Privatsphäre wahren, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung stärken > Informationelle Selbstbestimmung stärken, Medienkompetenz fördern

„Der Gesetzgeber muss den Einzelnen in die Lage versetzen, sich den Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Informationsverknüpfungen im Internet bewusst zu werden und selbstbestimmt zu entscheiden, welche Daten er frei gibt – z.B. in sozialen Netzwerkdiensten oder über Treue- bzw. Bonusprogramme. verlassen können, dass Behörden und Unternehmen in der dem Grundrecht gebüh-renden Art und Weise, transparent und nachvollziehbar mit den personenbezogenen Daten umgehen und dass Verstöße und mangelnde Sorgfalt entsprechend sanktioniert werden.“ (S. 11-12 von 166)

Kultur-, Medien- und Netzpolitik

Medienkompetenz – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern alle Generationen – ermöglicht es, sich in einer von Medien durchdrungenen Welt zurechtzufinden. Ermöglicht und gefördert werden muss die „digitale Selbstständigkeit”, die jeden in die Lage versetzt, alle Möglichkeiten der „Digitalen Gesellschaft” möglichst selbstständig nutzen und sich vor damit verbundenen Risiken gut schützen zu können. Notwendig sind hierzu die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit einem mobilen Computer und die Schaffung eines digitalen Lernumfeldes und digitalen Klassenzimmers. Das ist nur sinnvoll, wenn eine entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte und entsprechende Bildungskonzepte zur Verfügung stehen. Dazu bedarf es auch der Digitalisierung von Schulbüchern und Lehr- und Lerninhalten und deren Zugänglichmachung im Netz.“ (S. 56 von 120)

Danke, Marc Gross, für Deine Unterstützung!

Lena-Sophie Müller

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eIDEE – Wettbewerb für den digitalen Handschlag

Dirk Arendt: Nachdem ich ja des öfteren schon die fehlende Kommunikation rund um das Thema eGovernment angesprochen habe und auch nicht mit Kritik an einem – vielleicht polemisch gemeinten – Radio-Beitrag gespart habe, jetzt auch von meiner Seite der Aufruf zur Unterstützung eines Wettbewerbs zum Neuen Personalausweis.

Kommt, zeigt Eure Ideen, zeigt Innovation, zeigt, dass Kommunikation und ein Wettbewerb durchaus in und vor allem auch für die Öffentliche Verwaltung Sinn machen:

eIDEE – Wettbewerb für den digitalen Handschlag. Schon 140 Beiträge, noch bis zum 18.8. mitmachen“.

Also, mitmachen! Und dieses Mitmachen ist ganz einfach: Die „eIDEE“ in ein paar Sätzen beschreiben und via Web-Formular einreichen. Ganz einfach. Also… 

e-Government: Wenn Kritik weit über das Ziel hinausschießt…

Dirk Arendt Baustelle

Dirk Arendt Baustelle in Berlin

Und noch ein Podcast. Diesmal aber einer, der mir gar nicht gefällt. Nein, er ärgert mich. Sehr sogar. Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht habe ich auch einfach nur den hintersinnigen Humor nicht verstanden.

Aber der Reihe nach: Der Beitrag trägt den schönen Titel „Neuland„, entstammt dem Digitalen Logbuch des Deutschlandfunk und wartet mit einer harschen Kritik am Neuen Personalausweis, seinem biometrischen Foto, der Demail und insbesondere dem eID-Wettbewerb der Bundesdruckerei auf. Und der Kommentator spart nicht mit seiner Kritik. Kritik ist grundsätzlich etwas gutes. Kritik kann helfen. Kritik kann aufrütteln. Kritik sollte aber immer auch konstruktiv sein. Kritik kann sarkastisch oder auch lustig sein – diese hier ist aber einfach nur schlecht. Nein, es ist gar keine Kritik. Es ist ein Verbalfeuerwerk auf niedrigstem inahaltlichen Niveau. Und wie gesagt, vielleicht soll es lustig sein und ich verstehe nur die Pointe nicht. Im Beitrag wird der Personalausweis auf sein biometrisches Foto reduziert, welches der Kommentator so schön als den „zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck“ bezeichnet. Ein erster Fehler.

„Wie riesig muss die Verzweiflung der Macher sein, schon zum zweiten Mal 10.000 Euro zu spendieren, für endlich mal eine Idee, das hässliche Perso-Kärtchen sinnvoll einzusetzen? Warum ihre Vorfahren nicht selbst die Idee hatten, alles auf eine Karte zu setzen, diagnostizieren Archäologen in 500 Jahren wahrscheinlich mit, „durch zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck ausgelöster Depression“.“

Ästhetik ist immer auch persönliche Geschmackssache und das „hässliche Perso-Kärtchen“ muss nicht jedem gefallen – zumal staatliche Aufgabenstellungen keinen Designpreis gewinnen sollen. Aber dafür ist es klein und praktisch zu handhaben. Und wie verzweifelt die „Macher“ sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

Trotzdem ist ein solches Engagement in Form eines Wettbewerbes ausdrücklich zu loben. Im Rahmen der Einführung des Personalausweises ist nicht alles glatt gelaufen. Keine Frage. Und natürlich hat auch die Bundesdruckerei ein berechtigtes Interesse an dem Personalausweis. Und trotzdem hilft ein solcher Wettbewerb der Anerkennung des innovativen Infrastrukturprojektes weiter.

Professionelle Kommunikation rund um staatliche Themen findet in Deutschland kaum statt. Fehlt zu oft. Der Bürger als Nutzer weiß oftmals nicht, was der Markt an Möglichkeiten hergibt. Diese fehlende Kommunikation wurde hier im Blog bereits des öfteren angesprochen. Jetzt hat es auch Franz-Reinhard Habbel – ein Mahner des deutschen eGovernment – bemängelt. Ja, wir müssen mehr darüber reden und schreiben. Über unsere Projekte – im guten wie im schlechten Sinne. Und dass die fehlende Kommunikation gerade bei so einem wichtigen Thema wie „meiner digitalen Identität im Internet“ zu einem Erfolgskiller werden konnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Und es wäre so leicht. Und mit jedem Nutzer, der konstruktiv seine Stimme zu Problemen der Handhabung der Software, ihrer Usability oder dergleichen erhebt, können auch Veränderungen in die Diskussion um zukünftige Aufgabenstellungen eingebracht werden.

Der o.g. Podcast enthält aber auch Sätze, die leider zeigen, dass sich der Autor nur sehr oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. „Alles auf eine Karte“, das ist mit Sicherheit eine Forderung, die von den Nutzern schon seit mindestens 10 Jahren abgelehnt wird. Und es wäre auch unpraktisch – und gefährlich, seien wir doch ehrlich. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur den Humor nicht verstanden…

e-Government: Gestern, heute, vorgestern und übermorgen – in einem Satz

Aus den Kommentaren und Diskussion rund um den Beitrag Personalsituation in der Berliner Verwaltung III stammt mein ganz persönliches Zitat der vergangenen Woche:

“Wir arbeiten in den Strukturen von gestern, mit Methoden von heute an Problemen von Morgen, mit Menschen, die in den Strukturen von Vorgestern aufgewachsen sind und das Übermorgen innerhalb der Organisation nicht mehr erleben werden.”

Es klingt lustig – und ist doch traurig zugleich. Das Zitat stammt von Christian Rupp, Sprecher der Plattform „Digitales Österreich“, ausgesprochen auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung Ende Juni in Berlin.

Aber ist das wirklich so? Ist das die Situation in deutschsprachigen Verwaltungen? Ist das die Ausgangssituation, wenn wir über das Thema „Modernisierung unserer Verwaltung“ diskutieren wollen? Und wie bitte kommen wir dann aus dem Schlamassel raus?