mobileGov: „Die Koalitionsvereinbarung und e-Government“

„Mobile Government bleibt Stiefkind der Digitalen Agenda“

Unter dieser Überschrift analysiert Dirk Arendt, Director Public Sector & Government Affairs bei Good Technology, den Koalitionsvertrag. Er hielt dazu fest:

Der neue Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD bietet unter dem Stichwort „Digitale Agenda“ viele gute Ansätze zur Verwaltungsmodernisierung. Das reicht von der Stärkung des IT-Planungsrates bei der Koordinierung von eGoverment-Projekten bis zum Transfer der deutschlandweiten Behördenrufnummer 115 ins Internet (www.115.de). Auch der Plan, Ansätze zu Open Data zu fokussieren und der angestrebte Beitritt Deutschlands zur internationalen Initiative Open Government Partnership weisen in die richtige Richtung. Wichtig zudem, dass der Vertrag die Bedeutung von Datenschutz und Sicherheit für die Akzeptanz für elektronische Behördendienste anerkennt.

Das allein sind gute Nachrichten, denn die Erfahrung zeigt: Wenn sich Begriffe – wie hier der der „Digitalen Agenda“ – durch einen Koalitionsvertrag ziehen, bietet das Spielraum für die ressortübergreifende Umsetzung konkreter Projekte. Klar ist aber auch: Dem Koalitionsvertrag fehlt es beim Thema Internet an Weitsicht.

Laut einer aktuellen ARD/ZDF-Studie sind im Jahr 2013 rund 41 Prozent der Internet-Nutzer mobil, sprich unterwegs, online. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Diesem Trend zum Trotz und obgleich Deutschland schon heute zu den Ländern mit der geringsten Nutzung von Mobile Government zählt, findet sich im Koalitionsvertrag dazu keinerlei Strategie.

Dabei gibt es mit Blick auf Verwaltungsmodernisierung gute Gründe sich den Anforderungen endlich zu stellen. Bei allen Vorhaben muss dabei neben der Nutzerfreundlichkeit die Datensicherheit im Mittelpunkt stehen. Auf sensible Daten zurückgreifen zu können, wo sie benötigt werden, ohne sie dabei zu gefährden, ist die zentrale Herausforderung.

Mobile Sicherheitslösungen und eine umfassende Strategie zur mobilen digitalen Kommunikation sind bei der Weiterentwicklung der Verwaltungsmodernisierung durch e- und mGovernment unerlässliche Themen.

Zugleich ergeben sich etwa bei der digitalen Bürgerbeteiligung große Chancen. Politik und Verwaltung können sich dieses handlichen Weges bedienen, um Prozesse demokratischer und verständlicher zu machen. Das wird aber nur funktionieren, wenn Lösungen modern, mobil und sicher sind. Bedeutet: Realistisch Ziele vorgeben und die Umsetzung durch Standardisierung begleiten. Worten müssen Taten folgen, wenn die Koalition eine wirklich moderne Verwaltung für Deutschland will. Dazu gehören auch die Stärkung des IT-Beauftragten der Bundesregierung sowie eine Reform bei der Personalpolitik.

Der Koalitionsvertrag macht deutlich: Die digitale Wirklichkeit ist endlich bei den Politikern „ganz oben“ angekommen. Doch weil es im Vertrag um die kommenden Jahre bis 2017 geht, ist es unverständlich, warum dem Bereich Mobile keine stärkere Rolle zukommt und warum es beim mGovernment offenbar keine Ambitionen gibt, Deutschlands Zukunft zu gestalten. Wenn Deutschland seine digitale Zukunft nicht verspielen will, müssen Politik aber auch Wirtschaft heute die kommenden zehn bis 20 Jahre in den Blick nehmen. Sonst macht die „Digitale Agenda“ wenig Sinn.

Quelle: Dieser Artikel ist erschienen in der eGovernment Computing, Januar 2014

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„eGovernment goes mobile…?!“

Dirk Arendt mobileGov

Bisher gibt es in Deutschland nur einige wenige Beispiele für Anwendungen, die direkt unter den Begriff „mobile Government“ subsumiert werden können. Und auch generell muß festgehalten werden, dass das Thema noch nicht so stark im Fokus oder in der öffentlichen Diskussion steht, wie es m.E. es eigentlich verdient hätte. Andere Länder sind da (leider wieder) weitaus weiter und haben etwa eine „Mobile first“-Strategie zur Umsetzung gebracht.

Ich will mich gerne stärker mit dem Thema „mobileGov“ befassen und suche daher Möglichkeiten des Austausches. Das Dilemma ist nur leider „wie“? Noch eine neue Gruppe bei Facebook? Nein, eigentlich nicht. Ich bin letztendlich dann doch wieder den Weg gegangen – wie schon damals beim nPerso (dem damals noch „neuen Personalausweis“) – und bei einer XING-Gruppe gelandet. Was ich aber auf Grund der unsäglich schlechten Usability jetzt schon wieder bereue. Falls ihr dennoch Lust habt, mitzumachen, kurze Anmeldung entweder über den link https://www.xing.com/go/group/89785.4b8ec4/6872370 oder direkt über die Suchfunktion bei XING.

Aber eigentlich würde ich am liebsten hier in meinem Blog dazu mit Euch diskutieren! Es hat mich – ganz ehrlich – lange Zeit der Überwindung gekostet, ihn überhaupt zu erstellen. Ausschlaggebend ist immer noch dieser eine großartige Artikel von Johnny Haeusler von “Spreeblick”, der mir danmals in die Finger kam: “2013 – Das Web zurück erobern“.

„Ich war begeistert. So viele wahre Sätze, ein wirklich toller Artikel mit mahnenden Worten und einem permanent erhobenem Zeigefinger! Und so viele Entgegnungen gegen die geschlossenen Netzwerke wie Facebook und Twitter, gegen Instagram und wie sie alle heißen: ein Plädoyer für ein offenes Netz – vor allem aber: viele Argumente für einen Blog.“

Ja, ich hab es dann auch getan. Der erste Artikel und die weiteren, die dann folgten, haben mich wirklich viel Überwindung gekostet. Es ist schon etwas anderes, statt an eine beschränkte Gruppe von bekannten Personen plötzlich an eine unbegrenzte Zahl von Menschen zu schreiben. Die Beiträge wurden zum Teil stark kontovers diskutiert, ich wurde auch ein bisschen beschimpft – aber ich habe auch viel Zustimmung und aufmunternde Worte erhalten. Und ja, jetzt Ende Januar wird der „herr_arendt-blog“ schon ein Jahr alt. Die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge.Es gab kleinere Pausen, es gibt unzählige Entwürfe und Manuskripte für Folge-Beiträge. Oftmals fehlt einfach nur die Zeit…

Und – um auf den oben genannten Beitrag von Johnny Haeusler zurückzukommen – es ist ja nicht besser geworden. Ganz im Gegenteil…! Also, lasst uns Beiträge, Artikel und Beispiele sammeln, Fragen stellen, lasst uns gemeinsam einen anderen Ansatz der Verwaltungsmodernisierung diskutieren. Reden wir über mobileGovernment oder mobileGov – oder verwenden wir zukünftig einfach den Begriff mGov! Nutzen wir alle zusammen die Chance, heute schon die Verwaltung von übermorgen zu denken!

Jeder Beitrag ist herzlich willkommen. Ich freue mich auf den Austausch!

e-Government: „Inside Verwaltung“ – oder wie die Verwaltung wirklich tickt!

Längere Auto- oder Zugfahrten versuche ich mir stets, durch das Hören von interessanten Podcasts zu verkürzen. Und in diesen Tagen bin ich auf eine wirklich aufschlussreiche – aber nicht mehr ganz taufrische – Folge in dem großen Sammelsurium von Philip Banses „Medienradio“ gestoßen: „Inside Verwaltung“ aus dem April 2012. Ein MUSS für alle, die sich mit eGovernment beschäftigen – ein MUSS für alle die, die Verwaltung modernisieren wollen: Weil hier auch mal die andere Seite zu Wort kommt.

Tino Eilenberger, 32, trat mit 16 in den öffentlichen Dienst Berlins ein und baute Berlin.de mit auf. Heute ist er im IT Dienstleistungszentrum Berlin zuständig für die Webanwendungen der Berliner Verwaltung. Er hat die elektronische Terminvereinbarung für die Berliner Verwaltung mit erfunden und eingeführt, war an Berlins Open Data Portal beteiligt und verantwortet Schnittstellen, mit denen die Berliner Verwaltung schon heute ihre Daten unkompliziert ins Netz stellen kann.

Ein ganz wunderbarer Einblick in die tagtägliche Arbeit eines ganz normalen Mitarbeiters im Berliner ITDZ. Hier wird mit Fachbegriffen und Zuständigkeiten jongliert, mit Stolz von ersten Prozessen zum nPerso berichtet und ganz freimütig auch über Probleme geredet. Reinhören lohnt sich! Versprochen. Oder wisst ihr, was eine ÄnTe ist…?

e-Government – zwei Seiten einer Medaille

Dirk Arendt: Gestern erschienen zwei gänzlich unterschiedliche Sichten auf das Thema e-Government. Zum einen warb die Frankfurter Rundschau in dem Artikel E-Government Gesetz – Der lange Weg zum digitalen Amt für die zukünftigen Möglichkeiten, auf der anderen Seite schrieb sich ein Berliner Bürger seine Erfahrungen mit der „digitalen Verwaltung“ vom Herzen: The Horrifying State of eGovernment in Germany. Zwei Seiten einer Medaille.

Dirk Arendt: „Ja, ich habe es getan: Ich habe einen Blog…“

Es geisterte schon lange in meinem Kopf herum: Ich will auch einen Blog. Aufgeweckt durch einen Kollegen, der mir kurz zurief, „ich habe dazu was geschrieben, geh mal auf meinen Blog.“ Verstärkt wurde der Gedanke auf der re:publica 2012, es war der Auftritt von Sascha Lobo. In seinem Vortrag über den Zustand der Netzgemeinde und die Zukunft des Internets rief er zum Bloggen auf. Es war meine erste re:publica, sie hat ihre Spuren hinterlassen.

Dann kam auch noch diese seit jeher in mir wohnende Neugierde dazu, etwas Neues auszuprobieren, mitzumachen – aber leider auch jede Menge Ausreden, es aufzuschieben, es nicht zu tun. Andere Dinge hatten Vorrang.

Ein Freund zeigte mir kurz darauf stolz seinen „SafeAdress„-Blog. Ein weiterer Freund sagte sich – fast vollständig – von Facebook los und präsentierte mir mit „vollerkraft“ ebenfalls seinen eigenen Blog: „Ist ganz einfach, wirklich!“ Ich hangelte mich währenddessen durch weitere spannende und lesenswerte Blogs, lernte über die Technik und die Methoden, lauschte spannenden Geschichten drumherum – nur bei mir selber tat sich bzgl. meines Projektes leider so rein gar nichts. Lange Zeit sogar. Sehr lange. Mir half dann ein eher zufälliger Umstand wieder auf die Sprünge: ein Artikel von Jonny Haeusler von „Spreeblick“ kam mir in die Finger: „2013 – Das Web zurück erobern„. Ich war begeistert. So viele wahre Sätze, ein wirklich toller Artikel mit mahnenden Worten und einem permanent erhobenem Zeigefinger! Und so viele Entgegnungen gegen die geschlossenen Netzwerke wie Facebook und Twitter, gegen Instagram und wie sie alle heißen: ein Plädoyer für ein offenes Netz – vor allem aber: viele Argumente für einen Blog. Na ja, und ab dem Moment gehörte das Thema „Blog“ oder besser das Projekt „mein eigener Blog“ zu den Vorsätzen für das neue Jahr! Schluss mit diesem „man müsste“, nein, ab sofort hieß es „einfach loslegen“.

Also habe ich mich in der Folgezeit informiert, was es schon so gibt, was ich an Technik benötige, was sonst noch so wichtig sein könnte. Dann kam die Phase, „was will ich eigentlich schreiben“ – und mit ihr die nicht ganz unberechtigte Frage „interessiert das überhaupt jemanden ‚da draußen‘ in der weiten Welt des wahren Internets“? Und dazu immer noch mehr Fragen, die das Projekt in seinen Grundfesten wieder in Frage stellten: Wie soll das Ganze aussehen? Wie nenne ich mich bzw. den Blog? Ich habe mich schwer getan, keine Frage, und – das gebe ich hier auch gerne und offen zu – ich tue mich immer noch schwer. Da ist dieser Respekt vor „der Masse da draußen“. Aber warum eigentlich…? Ich kann hier doch all das niederschreiben, machen und tun, womit ich auch auf Facebook meine „Freunde“ bei Laune halte: Festhalten und weitergeben, was mich interessiert, was mich bewegt, was in meinem Leben passiert. Ihr werdet hier also all die Sachen finden, die ihr auch auf Facebook gefunden habt. Nur soll es da immer weniger werden. Und dann kommt noch eines dazu: ich habe früher gerne geschrieben – und ich will es wieder vermehrt machen. Und dann war da noch diese Frau, die mir in der Kälte des Charlottenburger Weihnachtsmarktes  völlig empört entgegnete: „DU!? Du MUSST bloggen!“ Danke, Kathrin, Danke Euch allen, die ihr mir bewusst oder unbewusst geholfen habt. Auch das bloße drängen „nun mach doch endlich mal“ von Freunden wie @frmehler und @herr_jentsch hat geholfen und mich noch mehr motiviert. Letztendlich ist das Layout egal, so toll wie bei pattydoo wird es hier nie aussehen, der ein oder andere Fehler wird sich einschleichen, technische Probleme sich ergeben, der erste Kommentar, der am Selbstvertrauen nagt, wird kommen – aber ich wollte ja „einfach loslegen“…

Und hier ist er nun: mein eigener und völlig privater Blog. Ja, ich habe es getan.