e-Government: „Inside Verwaltung“ – oder wie die Verwaltung wirklich tickt!

Längere Auto- oder Zugfahrten versuche ich mir stets, durch das Hören von interessanten Podcasts zu verkürzen. Und in diesen Tagen bin ich auf eine wirklich aufschlussreiche – aber nicht mehr ganz taufrische – Folge in dem großen Sammelsurium von Philip Banses „Medienradio“ gestoßen: „Inside Verwaltung“ aus dem April 2012. Ein MUSS für alle, die sich mit eGovernment beschäftigen – ein MUSS für alle die, die Verwaltung modernisieren wollen: Weil hier auch mal die andere Seite zu Wort kommt.

Tino Eilenberger, 32, trat mit 16 in den öffentlichen Dienst Berlins ein und baute Berlin.de mit auf. Heute ist er im IT Dienstleistungszentrum Berlin zuständig für die Webanwendungen der Berliner Verwaltung. Er hat die elektronische Terminvereinbarung für die Berliner Verwaltung mit erfunden und eingeführt, war an Berlins Open Data Portal beteiligt und verantwortet Schnittstellen, mit denen die Berliner Verwaltung schon heute ihre Daten unkompliziert ins Netz stellen kann.

Ein ganz wunderbarer Einblick in die tagtägliche Arbeit eines ganz normalen Mitarbeiters im Berliner ITDZ. Hier wird mit Fachbegriffen und Zuständigkeiten jongliert, mit Stolz von ersten Prozessen zum nPerso berichtet und ganz freimütig auch über Probleme geredet. Reinhören lohnt sich! Versprochen. Oder wisst ihr, was eine ÄnTe ist…?

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e-Government: Wenn Kritik weit über das Ziel hinausschießt…

Dirk Arendt Baustelle

Dirk Arendt Baustelle in Berlin

Und noch ein Podcast. Diesmal aber einer, der mir gar nicht gefällt. Nein, er ärgert mich. Sehr sogar. Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht habe ich auch einfach nur den hintersinnigen Humor nicht verstanden.

Aber der Reihe nach: Der Beitrag trägt den schönen Titel „Neuland„, entstammt dem Digitalen Logbuch des Deutschlandfunk und wartet mit einer harschen Kritik am Neuen Personalausweis, seinem biometrischen Foto, der Demail und insbesondere dem eID-Wettbewerb der Bundesdruckerei auf. Und der Kommentator spart nicht mit seiner Kritik. Kritik ist grundsätzlich etwas gutes. Kritik kann helfen. Kritik kann aufrütteln. Kritik sollte aber immer auch konstruktiv sein. Kritik kann sarkastisch oder auch lustig sein – diese hier ist aber einfach nur schlecht. Nein, es ist gar keine Kritik. Es ist ein Verbalfeuerwerk auf niedrigstem inahaltlichen Niveau. Und wie gesagt, vielleicht soll es lustig sein und ich verstehe nur die Pointe nicht. Im Beitrag wird der Personalausweis auf sein biometrisches Foto reduziert, welches der Kommentator so schön als den „zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck“ bezeichnet. Ein erster Fehler.

„Wie riesig muss die Verzweiflung der Macher sein, schon zum zweiten Mal 10.000 Euro zu spendieren, für endlich mal eine Idee, das hässliche Perso-Kärtchen sinnvoll einzusetzen? Warum ihre Vorfahren nicht selbst die Idee hatten, alles auf eine Karte zu setzen, diagnostizieren Archäologen in 500 Jahren wahrscheinlich mit, „durch zwangsbescheuerten Gesichtsausdruck ausgelöster Depression“.“

Ästhetik ist immer auch persönliche Geschmackssache und das „hässliche Perso-Kärtchen“ muss nicht jedem gefallen – zumal staatliche Aufgabenstellungen keinen Designpreis gewinnen sollen. Aber dafür ist es klein und praktisch zu handhaben. Und wie verzweifelt die „Macher“ sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

Trotzdem ist ein solches Engagement in Form eines Wettbewerbes ausdrücklich zu loben. Im Rahmen der Einführung des Personalausweises ist nicht alles glatt gelaufen. Keine Frage. Und natürlich hat auch die Bundesdruckerei ein berechtigtes Interesse an dem Personalausweis. Und trotzdem hilft ein solcher Wettbewerb der Anerkennung des innovativen Infrastrukturprojektes weiter.

Professionelle Kommunikation rund um staatliche Themen findet in Deutschland kaum statt. Fehlt zu oft. Der Bürger als Nutzer weiß oftmals nicht, was der Markt an Möglichkeiten hergibt. Diese fehlende Kommunikation wurde hier im Blog bereits des öfteren angesprochen. Jetzt hat es auch Franz-Reinhard Habbel – ein Mahner des deutschen eGovernment – bemängelt. Ja, wir müssen mehr darüber reden und schreiben. Über unsere Projekte – im guten wie im schlechten Sinne. Und dass die fehlende Kommunikation gerade bei so einem wichtigen Thema wie „meiner digitalen Identität im Internet“ zu einem Erfolgskiller werden konnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Und es wäre so leicht. Und mit jedem Nutzer, der konstruktiv seine Stimme zu Problemen der Handhabung der Software, ihrer Usability oder dergleichen erhebt, können auch Veränderungen in die Diskussion um zukünftige Aufgabenstellungen eingebracht werden.

Der o.g. Podcast enthält aber auch Sätze, die leider zeigen, dass sich der Autor nur sehr oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. „Alles auf eine Karte“, das ist mit Sicherheit eine Forderung, die von den Nutzern schon seit mindestens 10 Jahren abgelehnt wird. Und es wäre auch unpraktisch – und gefährlich, seien wir doch ehrlich. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur den Humor nicht verstanden…

e-Government: Personalsituation in der Berliner Verwaltung II

Jetzt greift auch der Tagesspiegel das Thema „Personalsituation in der Berliner Verwaltung“ noch einmal in dem Artikel „Berliner Behörden sind völlig überaltert“ auf:

„Nach einer Prognose der Finanzverwaltung wird sich die Personalsituation bis 2019 dramatisch verändern. Dann werden in der Hauptverwaltung nur noch 61 102 Vollzeitstellen mit den bisherigen Mitarbeitern besetzt sein, in den Bezirken sind es 14 795 Stellen. Das reicht aber nicht aus. Das Ziel von Rot-Schwarz ist, dauerhaft 80 000 Stellen in der Hauptverwaltung und 20 000 Stellen in den Bezirken besetzt zu haben.“

Interessant auch am Ende der Verweis auf die sog. Gesundheitsquote:

„Der Krankenstand liegt bei 10 Prozent, fast doppelt so hoch wie in der öffentlichen Verwaltung bundesweit. Finanzsenator Nußbaum mahnte deshalb kürzlich, zu Gast bei der Gewerkschaft Verdi, eine „Konzentration auf die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit“ der Beschäftigten an. Dazu gehörten eine stressvermeidende Arbeitsorganisation und sensible Führungskräfte.“

Was auffällig erscheint, nirgendwo – weder hier noch im Vorgänger-Artikel der Berliner Morgenpost – wird auf das Thema eGovernment verwiesen. Ist es aber nicht in unseren Vorträgen und Lobhudeleien zur Modernisierung der Verwaltung immer wieder ein Argument, wie die Verwaltung gerade dieser demographischen Entwicklung entgegenwirken könnte? Sprechen wir nicht die gleiche Sprache oder kommen unsere Argumente nicht an der richtigen Stelle an?

e-Government: Personalsituation in der Berliner Verwaltung

Alarmierende Zahlen zur Personalsituation aus der Berliner Verwaltung: Noch irgend jemand, der das Thema Demographie und die Anstrengungen zu e-Government nicht ernst nehmen will… http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article117592772/Personalnot-Berliner-Behoerden-verlieren-32-000-Mitarbeiter.html